SYDNEY

Nach unserem viel zu langem Aufenthalt in Ho Chi Min Stadt, durften wir um 20:15 Ortszeit endlich in unseren Flieger in Richtung Australien einsteigen. Diesmal handelte es sich um einen Airbus A 330, der wesentlich neuer und im Zustand doch deutlich freundlicher war als uns erster Flieger. Da wir ganz am Ende der Außenreihe saßen, hatten wir genügend Platz nach hinten, um uns in aller Ruhe und ohne schlechtes Gewissen zurück zu lehnen. Das Essen war auch hier wieder hervorragend. Was aber viel wichtiger war: das Entertainment-Programm funktionierte einwandfrei und es wurden die neuesten Blockbuster angeboten, was uns die Reisezeit doch deutlich verkürzt hat.

Sowohl der Flug als auch die Landung waren ausgesprochen ruhig und dann war es endlich soweit, wir betraten den australischen Kontinent über die Boarding-Brücke. Wir waren wohl beide vollkommen übermannt von der Erschöpfung der ewig langen Reise, denn wir können uns kaum noch an die nächsten Stunden erinnern. Auf jeden Fall mussten wir uns zunächst in eine lange Schlange vor einem der unzähligen Einreiseschalter einreihen. Dort haben wir uns dann eine sympathisch aussehende, junge Officer(in???) ausgesucht und das war auch gut so, denn die war wirklich ausgesprochen nett und entspannt. Wir durften ohne großes Federlesen passieren und standen dann auch schon unmittelbar vor dem Gepäckband, auf dem unsere Rucksäcke bereits auf uns warteten. Erste Amtshandlung war das Entleeren unseres Handgepäck-Rucksacks, der daraufhin unmittelbar in den Müll wanderte – erstes Fazit: jetzt sind die Rucksäcke erstaunlicherweise gleich viel schwerer, Mist!

Zunächst dachten wir schon, das wäre alles gewesen und wir dürfen den Flughafen verlassen. Falsch gedacht! Nach der Gepäckausgabe reiht man sich dann wieder in eine noch viel längere Schlange ein und wird gemäß der vorherigen Angabe, was die mitgebrachten Güter und Kleidungsstücke angeht, in unterschiedliche Gefährdungsklassen eingeteilt. Wir mussten in den Quarantänebereich, wo uns ein, wieder ausgesprochen freundlicher, Officer bat, sämtliches Gepäck abzustellen, damit sein (ahhh!) unglaublich süßer Beagle nach verbotenen Stoffen schnüffeln kann. Er befand unser Gepäck für ungefährlich, jetzt durften wir tatsächlich das Gelände verlassen und in die blendende australische Sonne treten.

Offensichtlich hat man uns gleich als suchende Backpacker identifiziert, denn ein Ordner vor dem Flughafenausgang hat uns gleich abgefangen und uns erklärt, welche Optionen uns zur Verfügung stehen, um von hier bis zu unserem Hostel zu kommen. Wir entschieden uns für den Shuttle-Bus, der uns jeweils 15$ kostete. Während wir auf weitere Fahrgäste warteten, kamen wir mit einem anderen jungen deutschen Pärchen ins Gespräch – die ersten Backpacker-Momente. Der Kleinbus lieferte uns dann schließlich erfolgreich an unserem Hostel ab und erst jetzt wurde uns so richtig bewusst: es herrscht ja Linksverkehr, verwirrend!

Am Schalter unseres Hostels empfing uns ein sehr netter junger Mann mit heftigstem australischen Slang und gab uns im Austausch für „einige“ AUD (unverschämt teuer, wie wir finden) die Schlüssel für den Haupteingang und unser 6er-Zimmer. Dieses bestand aus einem ca. 8 m² großen kahlen Raum mit 3 Doppelstockbetten. Alles in allem waren das Hostel und seine sanitären Einrichtungen sowie der Gemeinschaftsraum und Küche in einem, na ja sagen wir mittelprächtigen, Zustand geringer Sauberkeit. Wir können hier sicher zugeben, dass die Art der Unterkunft und der damit verbundene Platzmangel und Geruch einen ernstzunehmenden Kulturschock für uns darstellte. Aber gleich in den ersten Minuten lernten wir den sehr sympathischen Backpacker René kennen, mit dem wir in den nächsten Tagen noch viel unternehmen sollten. Doch zunächst haben wir die Wertsachen im letzten verfügbaren Schließfach verstaut und uns aufs die Ohr gehauen – das war auch bitter nötig!

Die folgenden Tage sind wie im Flug vergangen. Wir haben Sie genutzt um möglichst viel Organisatorisches zu klären. Wir haben nun Prepaid-Simkarten, WWOOF-Mitgliedschaften, Postfächer und unsere TFNs (TFN=Tax File Number à australische Steuernummer)sind beantragt. Außerdem haben wir natürlich ein wenig die Stadt erkundet und waren mit einigen anderen deutschen Backpackern am Bondi Beach. Clemens war abends immer noch fitter als Maria und ist daher am Samstag- und Sonntagabend allein mit René losgezogen. Von dem Vielen, was wir gesehen haben hat uns (natürlich) besonders der berühmte Blick auf Oper und die Harbour Bridge gefallen, aber auch die unbekannten Tiere & Pflanzen, die wir zu sehen bekamen. Das Opossum, das uns am Montagabend begegnete, war leider etwas kamerascheu, aber alles andere haben wir versucht photographisch festzuhalten.

Was wir ebenfalls nicht photographisch festgehalten haben sind die vielen Deutschen und Franzosen im Hostel. Hier ließ sich ein von einer guten Freundin beschriebenes Phänomen des „unmöglichen Gruppenverhaltens“ hervorragend beobachten. Eine aus ca. 15 Deutschen bestehende Gruppe, deren Altersdurchschnitt bei etwa 18 Jahren lag, benahm sich derart daneben und pöbelte bzw. randalierte im Hostel rum, dass man sich zeitweise schämen musste, aus dem gleichen Land zu kommen. Dann fragt man sich auch, worin der Sinn besteht, sich jeden Tag von 18 bis 2 Uhr zu betrinken, um anschließend bis 17 Uhr zu schlafen – und das jeden Tag aufs Neue.
Das soll dann auch gleich die Frage des Tages sein: Warum fliegt man zum Saufen nach Australien?

Aber jetzt wieder zurück zu uns und den vielen netten Bekanntschaften deutscher aber auch französischer, niederländischer, finnischer, spanischer und britischer Herkunft. Denn das hat vor allem Clemens begeistert: in so einem Hostel herrscht tatsächlich dieser tolle und offene interkulturelle Austausch unter jungen Menschen und (fast) alle sind super freundlich und sprechen dich gerade heraus an. Daraus sind viele tolle Gespräche entstanden und man musste immer wieder feststellen, dass Vorurteile – die man ja grundsätzlich zu vermeiden sucht – eine schreckliche und hinderliche Sache sind.

Da wir Sonntagabend noch immer keine neue Unterkunft ab Dienstag gefunden hatten, haben wir uns dazu entschlossen noch einmal etwas Geld in die Hand zu nehmen und über Airbnb eine Unterkunft zu buchen.
Eine sehr gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte.

Was waren wir froh, am Dienstag aus dem Hostel ausziehen zu können. Unsere neue Unterkunft liegt zwar deutlich außerhalb des Zentrums im Viertel ‚Merrylands‘, aber aufgrund der sehr guten Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das kein Problem. Unsere Gastgeberin Teri und ihr Sohn Aaron haben uns in ihrem Haus aufgenommen und wir haben ein großes, helles Zimmer für uns. Aber dazu später mehr …

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