Episode 1 – Ankunft der Ungläubigen

Tasmanien hat uns begeistert, mitgerissen, umgehauen … und vor allem … überrascht. Diese kleine Insel 240km südlich des australischen Festlandes stand zu Anfang gar nicht auf unserer Reiseliste. Doch nachdem Vany und Wella, ebenso wie viele andere Menschen, denen wir begegneten, so viel von Tassie schwärmten, buchten wir kurzerhand Flüge und einen Mietwagen für 7 Tage.

Wir hätten uns nicht besser entscheiden können.

Schon die Ankunft am winzigen Hobart International Airport hat uns ein erstes Gefühl dafür gegeben, wie dieser Bundesstaat sein wird – entspannt.

Unsere eigentliche Couchsurfing Gastgeberin hatte kurzfristig abgesagt, so dass wir wieder last minute nach einer Unterkunft suchen mussten. Glücklicherweise, wie wir nun sagen müssen. Denn dadurch haben wir Thierry, Vanessa und ihre Tochter Cleo kennengelernt, die uns unglaublich warmherzig aufgenommen haben.

Der Aufenthalt bei ihnen bescherte uns auch unseren ersten unverhangenen Blick auf den Sternenhimmel der südlichen Hemisphäre. Atemberaubend ist wohl die beste Beschreibung.

Am nächsten Tag ging unser Roadtrip auch schon los. Bei strahlendem Sonnenschein und Countrymusik aus dem Radio – zumindest für die ersten 20 Minuten, danach hatten wir keinen Empfang mehr – ging es in Richtung Tasman Peninsula.

Erster Stop: Tasman Blowhole, Tasman Arch und Devils Kitchen. Das sind faszinierende Formationen der Steilküste, die durch Wind- und Wassererosion entstehen. Vermutlich sind sie auch die einzigen natürlichen Sehenswürdigkeiten, die man besser bei Sturm besucht. Aber schon an diesem ruhigen Tag war es beeindruckend, mit welcher Kraft das Wasser in die „Schluchten“ gepresst wurde.

Im Anschluss ging es direkt weiter zur ehemaligen Sträflingskolonie Port Arthur. Der Bereich des früheren Gefängnisses wurde uns in der Tourist Information in Hobart als wichtiges, absolut sehenswertes und beeindruckendes Stück australischer Geschichte beschrieben.

Für uns war es enttäuschend.

35$ pro Person für Eintritt, eine nichtssagende 20-minütige Einführungstour & eine ebenso nichtssagende 40-minütige Schifffahrt. Die Informationen, die wir dabei erhielten, waren ebenso gut in den Broschüren nachzulesen. Außerdem ist es ausgesprochen frustrierend, wenn man gerade 35$ bezahlt hat und einem dann ein Guide erzählt, dass es 20 km weiter eine andere historische Stätte gibt, die kostenlos ist und ihm persönlich ja viel besser gefalle.

Die noch erhaltenen Gebäude auf dem Gelände waren größtenteils leer, lediglich das Wohnhaus eines Offiziers war noch annähernd originalgetreu eingerichtet. Die Informationen zu den einzelnen Gebäuden beschränkten sich meist darauf, wann sie errichtet wurden, niedergebrannt sind und dann wieder neu errichtet wurden. Außerdem erfuhr man eher wenig über das tatsächliche Häftlingsleben. Uns fiel es, aufgrund der gegebenen Informationen und des Zustands des Geländes, schwer, uns vorzustellen, wie die Sträflinge lebten und arbeiteten. Die Ausstellungen hielten nur wenige Informationen dazu bereit.
Ein Bereich, der in dieser Hinsicht besser aufgestellt war, war das „Separate Prison“. Es wurde 1850 mit dem Ziel erbaut, körperliche Züchtigung durch psychische zu ersetzen. In dem Gefängnis wurden die Häftlinge in absoluter Isolation gehalten. 23 Stunden des Tages wurden in der Zelle verbracht und wenn sie zum täglichen Einzeltraining verlassen wurde, mussten die Häftlinge eine spezielle Maske tragen um jeglichen Kommunikation zu verhindern.
Dort verbrachten wir den Großteil unseres Besuchs der Einrichtung, um dann gegen Abend trotzdem eher enttäuscht wieder zu fahren.

Wir stellen einmal mehr fest: Touristenattraktionen sind einfach nicht unser Ding.

Tag 3 führte uns viele Kilometer an der Ostküste entlang nach Norden. Nächster Punkt auf unserer Liste waren der Freycinet National Park mit der Wineglass Bay und Cape Tourville. Wir lassen einfach mal die Bilder für sich sprechen und stellen fest: Natur macht uns glücklich.

Am frühen Abend fuhren wir schließlich zum nächsten Nachtlager in Bicheno. Im dortigen Hostel trafen wir einen Franzosen, der gerade von einer Forschungsreise in der Antarktis zurück kam und Urlaub machte.

Gemeinsam mit ihm zogen wir am späten Abend zum „Pinguine gucken“ an den Strand. Und wir hatten tatsächlich Glück. Die kleinen Gefährten waren schon dran gewöhnt angestarrt und fotografiert zu werden und ließen sich auf dem Weg zu ihren Nestern nicht weiter von uns stören. Aber ihr glaubt gar nicht, was die für einen Lärm machen können.

ein nicht mal gartenzwerggroßer Pinguin – herrlich diese kleinen Kerle

 

Soweit zu Tasmanien Teil I. Bald folgen auch Teil II und III. Aber da wir viel arbeiten und außerdem nächste Woche ein Auto kaufen wollen, sind wir gerade sehr eingespannt 😉

Advertisements

2 Gedanken zu “

  1. Auf Bild 3197 sitzt ein alter Mann grübelnd („Gehe ich nach Hause oder lieber nicht“) und mit angezogenen Beinen, den rechten Arm auf seinem Knie abgelegt, ins Tal. Und auf Bild 3199 sieht man seine dickbusige „Alte“ wütend Ausschau halten, wo denn der Kerl wieder bleibt! Ach ja, aber eine schöne Halskette hat sie um! ;o)))
    Die Bilder machen Lust auf mehr und bitte noch mehr Geschichten von den Menschen, die Ihr trefft!

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Reisende am „unternen Ende“ der Welt. Auch heute habe ich in meinem grauen Dienstzimmer die Herrlichkeit der Welt gesehen, welche mir über die Bilder und Kommentare hier vermittelt wurde. Es ist traumhaft sowie herzerfrischend zugleich und man möchte sofort losziehen, um die Welt zu erkunden. Irgendwann aber bin ich mal Frührentner und dann hab ich es meiner Frau schon geschworen, dass ich dirthin fahre, wo der Clemens und seine Freundin derzeit weilen. Ich wünsche Ihnen weterhin viel Spaß, Erfolg und Neugierde beim Erkunden des „unteren Endes“ unserer Welt, Ihr Volker Rausch

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s